
Die Pfarrkirche Altglienicke
Die Pfarrkirche Altglienicke ist ein markantes neoromanisches Backsteinbauwerk am historischen Dorfanger und eines der ältesten Zeugnisse der Siedlungsgeschichte Altglienickes. Seit über 125 Jahren prägt der charakteristische Westturm das Ortsbild und ist weithin sichtbar.
Geschichte der Kirchengemeinde
Die Kirchengeschichte Altglienickes reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits im Landbuch Karls IV. von 1375 wird der Ort erwähnt – und mit ihm die Pfarrei. Die Gemeinde gehörte zum Bistum Brandenburg und war eng mit der Geschichte des Dorfes verwoben. Durch Reformation, Dreißigjährigen Krieg und die preußische Zeit hindurch blieb die Kirchengemeinde ein stabiler Mittelpunkt des Dorflebens. Im 17. Jahrhundert litt die Gemeinde besonders unter den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges, erholte sich aber unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm dank gezielter Ansiedlungspolitik im Brandenburger Raum.
Die Barockkirche (1757–1894)
Das erste feste Kirchengebäude am heutigen Standort war ein schlichter Barockbau aus dem Jahr 1757, errichtet als Ersatz für einen noch älteren Vorgängerbau. Er entstand im typischen brandenburgischen Landkirchenstil: ein einfaches rechteckiges Schiff mit kleinem Dachturm, Holzemporen und einer schlichten Innenausstattung. Über mehr als 130 Jahre diente er der Gemeinde als Gotteshaus. Mit dem industriebedingten Bevölkerungswachstum im späten 19. Jahrhundert – Altglienicke war durch Zuzug aus dem preußischen Hinterland stark gewachsen – reichte der alte Bau nicht mehr aus und wurde abgetragen.
Die heutige Pfarrkirche (1894–1895)
Der heutige Kirchenbau wurde 1894/95 im neoromanischen Stil errichtet. Die Gemeinde konnte auf Mittel der Berliner Stadtmission sowie auf Zuschüsse aus dem Evangelischen Kirchenbaufonds zurückgreifen. Das Bauwerk aus rotem Märkischen Backstein mit Rundbogenfenstern und einem kräftigen Westturm sollte sichtbares Zeichen der wachsenden Gemeinde sein. Die feierliche Einweihung fand 1895 statt und war ein wichtiges Ereignis für den gesamten Ortsteil.
Architektur und Ausstattung
Der Bau folgt dem für die Gründerzeit typischen neoromanischen Kirchenbauprogramm: ein dreischiffiges Langhaus mit eingezogenem Chor und einem kräftigen Westturm mit Spitzhelm. Die Außenfassade aus rotem Backstein ist mit Blendbögen und Lisenen gegliedert und verleiht dem Bau eine ruhige, monumentale Wirkung. Im Inneren prägen helle Wände, schlanke Rundbögen und eine schlichte Holzbalkendecke den Raumeindruck.
Besonders sehenswert sind die Buntglasfenster im Chorraum, die farbiges Licht auf den Altarbereich werfen. Die Orgel – ein Instrument aus dem frühen 20. Jahrhundert – wurde mehrfach restauriert und erklingt bis heute bei Gottesdiensten und Konzerten. Der schlichte neoromanische Altar aus Naturstein bildet den ruhigen Mittelpunkt des Innenraums.
Die Kirche heute
Die Pfarrkirche Altglienicke gehört heute zur Evangelischen Kirchengemeinde Altglienicke-Bohnsdorf im Kirchenkreis Berlin Südost. Gottesdienste finden regelmäßig an Sonntagen statt; hinzu kommen Taufen, Trauungen sowie saisonale Gottesdienste zu Weihnachten und Ostern, die besonders gut besucht sind.
Im angrenzenden Gemeindehaus finden Kirchenkreis-Veranstaltungen, Kinder- und Jugendgruppen sowie Konzerte und Vorträge statt. Der gepflegte Kirchhof rund um das Gebäude lädt zum Innehalten ein – einige historische Grabstätten erinnern an alteingesessene Familien des Ortsteils. Das Ensemble aus Kirche, Kirchhof und dem benachbarten alten Pfarrhaus zählt zu den wenigen historisch gewachsenen Ortsmitten Altglienickes, die das 20. Jahrhundert weitgehend unbeschadet überstanden haben.
Anfahrt
Die Pfarrkirche befindet sich am Dorfanger Altglienicke (Ortolfstraße / Adlergestell, 12524 Berlin). Erreichbar mit der S-Bahn S9/S45 bis Bahnhof Grünbergallee, dann ca. 10 Minuten zu Fuß, oder mit den Buslinien 163 und 164 bis Haltestelle „Dorfanger“.
